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SALON EXIL - Die Idee

Was heisst Exil?

Das Wort Exil kommt aus dem Lateinischen und bedeutet »in der Fremde weilend«. Jemand, der im Exil ist, kann verbannt oder vertrieben, ausgebürgert oder zwangsumgesiedelt worden sein. Auch religiöse, ethnische oder politische Verfolgung sind gewichtige Gründe, weshalb Menschen ins Exil gehen. Andere flüchten ins Ausland, weil Hunger oder Kriege ihnen das Leben im eigenen Land unerträglich machen.

Heute sprechen wir von Exil vornehmlich im Zusammenhang mit Künstlern, Schriftstellern und Journalisten, in deren Heimatländern die Menschenrechte generell nichts gelten und wo man auch das Recht auf freie Meinungsäußerung mit Füßen tritt. Andersdenkenden droht in Diktaturen oftmals Gefahr für Leib und Leben. Vielen bleibt nur der Weg ins Exil. Und sosehr sie sich auch wünschen, schnellstmöglich wieder nach Hause zurückzukehren und dort am Aufbau einer demokratischen Ordnung mitzuwirken, so dauert das Exil für sie dennoch nicht selten Jahre oder gar Jahrzehnte. Denn meistens ändern die Verhältnisse, die diese Menschen einst gezwungen haben, ihre Heimat zu verlassen, sich langsamer, als sie es sich erhofften.

Es ist für keinen einfach, im Exil zu leben. Für Autoren aber ist es besonders schwer, denn ihre Arbeit ist enger als die etwa eines Arztes oder eines Ingenieurs an die eigene Muttersprache gebunden, und die Gedanken, die sie äußern, die Bilder, in denen sie sich ausdrücken, sind in der Kultur ihrer Heimatländer verwurzelt. Fern der eigenen Sprache und Kultur und der damit verbundenen Traditionen sind Schriftsteller oder Journalisten doppelt entwurzelt. Zum einen durch den Verlust des heimatlichen Bodens, der ihr Schreiben nährt, und damit auch des weitverzweigten Netzes einer gemeinsamen Geschichte, gemeinsamer Mythen und Narrative, die sie mit ihren Lesern teilen. Zum anderen durch den Verlust der Resonanz der eigenen Leserschaft, die Einfluss auf ihr Schreiben nimmt und wiederum durch das geprägt wird, was sie schreiben.

Für Schriftsteller bedeutet das Exil letztendlich Auslöschung der eigenen Identität als Literat (das gilt für Journalisten ebenso), mithin als Teil des öffentlichen Lebens. Und es bedeutet in der Regel überdies ein Leben in prekärer wirtschaftlicher Lage in einem fremden Land, in dem man sich noch nicht einmal als Bürger verständlich machen kann, geschweige denn als Schriftsteller.

Um diese schwierige Situation wenigstens für ein kleine Anzahl betroffener Autoren etwas erträglicher zu machen, hat das P.E.N.-Zentrum Deutschland in Kooperation mit der deutschen Bundesregierung 1999 ein Writers-in-Exile-Programm geschaffen, mit dessen Hilfe bisher über 25 Autoren für einen begrenzten Zeitraum von maximal drei Jahren bei uns Zuflucht gefunden haben.

Ein Salon für die Begegnung

Das Writers-in-Exile-Programm des P.E.N.-Zentrums Deutschland stellt derzeit fünf Autoren für maximal drei Jahre ein Stipendium zur Verfügung, das eine kostenfreie Wohnung, einen monatlichen Geldbetrag und eine gleichfalls kostenfreie Krankenversicherung enthält. Ausgehend von der Überlegung, dass Schriftsteller im Exil mehr brauchen als Wohnraum, Geld und sozialen Schutz, ist der P.E.N. darum bemüht, in Abständen Anthologien mit Arbeiten seiner Stipendiaten herauszugeben und sie nach Möglichkeit bei Lesungen öffentlich vorzustellen. Um aber über diese eher sporadischen Aktivitäten hinaus einen Raum zu schaffen, wo gegenwärtige und ehemalige Writers-in-Exile-Stipendiaten öffentlich auftreten und mit ihren potentiellen Lesern ins Gespräch kommen können, entstand die Idee des SALON EXIL, einer Begegnungsstätte, wo die Stipendiaten ihr literarisches Schaffen präsentieren und mit den Zuhörern ins Gespräch kommen können – nicht als Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind, sondern als freie Autoren. Der SALON EXIL versteht sich als ein Forum für Lesungen und Gespräche, vor allem mit dem Publikum, aber auch für den Diskurs zum Thema Exil ganz allgemein.

Da aber dieses Thema so viele Farben und Facetten hat, war bald klar, dass die Writers-in-Exile-Stipendiaten nicht die einzigen Gesprächsgäste des SALON EXIL bleiben konnten. Ebenso von Interesse ist etwa das Schreiben über das Exil. Wie reflektieren beispielsweise Autoren, die die Sprache des Exillands, die nicht die eigene Muttersprache ist, zum Ausdrucksmittel ihres Schreibens gemacht haben, ihr selbstgewähltes Leben in der Fremde. Oder wie ist die Arbeit eines Autors, der in der Kindheit vor den Nazis flüchten musste oder in der Emigration geboren wurde und nach 1945 zurück nach Deutschland kam, von der Erfahrung des Exils geprägt? Und auch wie die Generation der Nachgeborenen sich des Themas Exil annimmt, kann im SALON EXIL zur Sprache kommen.

Der SALON EXIL ist eine Veranstaltungsreihe, die in loser Folge, etwa jeden zweiten Monat, Autoren, die sich mit allen möglichen Aspekten der Exilthematik auseinandersetzen, ein Podium gibt. Wie es sich für einen Salon gehört, lesen die auftretenden Autoren aus ihren Texten vor, mindestens genauso wichtig aber ist es uns, Gäste und Zuhörer miteinander ins Gespräch zu bringen.

Der SALON EXIL hat im Lichtburgforum der Gartenstadt Atlantic eine Heimat gefunden und wird von der Lichtburg Stiftung gefördert. Ein weiterer Kooperationspartner ist die Buchhandlung Thalia.

Schirmherr des SALON EXIL ist der Bezirksbürgermeister von Berlin Mitte, Dr. Christian Hanke.

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Donnerstag, 22.01.2015 > 20 Uhr

Lichtburgforum

Foto: Matthes&Seitz

Einige unserer Autoren sind oder waren Stipendiaten im Writers-in-Exile-Programm des PEN-Zentrums Deutschland. Texte von ihnen finden Sie in dem Band

Fremde Heimat. Texte aus dem Exil

Hrsg. von Christa Schuenke und Brigitte Struzyk
Matthes & Seitz Berlin 2013
Preis: € 24,90 (D)

Die Veranstaltungen des SALON EXIL
finden in der Regel sechs Mal jährlich
im Lichtburgforum statt.

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